Zu diesem Artikel wurden wir von einem unserer Blogleser inspiriert. Der hat nämlich in einem Kommentar zu unserem letzten Eintrag über Glück, Ohrwürmer und Trickfilmklassiker das Königreich Buthan erwähnt. Das interessierte uns, weshalb wir genauer nachgelesen haben. Und weil die Geschichte eine wirklich schöne Geschichte ist, erzählen wir sie auch.
Buthan liegt mitten im Himalaya, zwischen Indien und China. Soweit so gut. Das wirklich Erstaunliche aber ist, dass dem Land das Glück seiner 700.000 Bewohner (ein Großteil davon sind Bauern) wichtiger ist, als wirtschaftlicher Erfolg. Ein interessanter Ansatz.
Jigme Singye Wangchuk, Spitzname K4, war der vierte König der Dynastie. 1986 stellte man ihm in einem Interview die Frage nach der Höhe des Bruttoinlandsprodukts Buthans. Auch wenn der König die Zahl genau kannte, es war übrigens die niedrigste weltweit, war seine überraschende Antwort: “Das Bruttoinlandsprodukt interessiert mich nicht. Mich interessiert das Bruttoinlandsglück.”

Das Kloster Taktshang in Buthan (Foto Wikipedia)
Heute steht das sogar in Buthans Artikel 9 Absatz 2 der Verfassung: “Der Staat bemüht sich, jene Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Bruttoinlandsglück ermöglichen.” Das ist ziemlich revolutionär. Zählt doch in den meisten anderen Ländern der Wohlstand und das Wirtschaftswachstum. Das Glück kann nur jeder für sich alleine suchen, der Staat fühlt sich dafür meist nicht verantwortlich.
Was uns zu der Frage führt, wann es einem Land wirklich gut geht? Wenn die Menschen viel lachen? Viel Freizeit haben? Oder wenn sie ein hohes Einkommen haben?
Geht es nach Buthans König K4, hat das Glück vier Säulen: Kultur, im Einklang mit der Natur leben, eine gerechte Wirtschaftsentwicklung und zuletzt gutes Regieren. Ein eigenes Glücksministerium überwacht, dass die vier Säulen in etwa gleich stark sind. Jedes Projekt das in Buthan umgesetzt wird, muss diesen vier Säulen entsprechen. So wurde beispielsweise ein Sägewerk geschlossen, weil es dem Land zwar viel Geld brachte, aber auch viel Wald verbrauchte.

Toni's Babette würde man auch in Buthan mögen ...
Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Buthan und dem Leben in der Glein bei Knittelfeld.
Es kann nämlich durchaus vorkommen, dass wir zum Beispiel seltene Legehennenrassen fördern, auch wenn diese wirtschaftlich nicht ertragreich sind. Weil sie viel zu viel fressen und zu wenig Eier legen. Dafür erhalten sie die Artenvielfalt und machen unser Leben bunter und die Menschen die mit diesen Tieren leben und arbeiten dürfen, mit Sicherheit auch glücklicher. Ganz abgesehen davon, dass die Eier besonders gut schmecken. Und wenn Sie das nächste Mal Toni’s Babette im Eierregal sehen, dann denken Sie vielleicht an Buthan und daran, dass man dem Glück hin und wieder ein Stück näher gekommen ist.
Wer jetzt Lust auf Buthan und seine Philosphie vom Glück bekommen hat, kann sich hier den Original Artikel in der Onlineausgabe der ZEIT ansehen: 40,9 Prozent sind schon glücklich.
Posted by Barbara Klein at 11:50h